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Dass man eine
Landschaft durchstreifen und erwandern muss, um sie in ihrer Eigenart
und Schönheit richtig zu erleben, legten schon Wolfgang G.
Bühlers großformatige ungegenständliche Acryl-Arbeiten
der späten 90er Jahre mit ihrer Einladung zu einem bisweilen
fast meditativen Augen-Spaziergang nahe: Es gab Muster und Proportionen
zu entdecken, es gab Farbnuancen und Reliefartiges zu studieren.
Die Stille war eines der Geheimnisse der Wirkung dieser Leinwände,
und sie ist es auch bei den neuen, kleinformatigen Aquarell- und
Tusche/Tinte-Arbeiten auf Papier.
Beibehalten hat Bühler seine lasurtechnikartige Malweise
und damit auch seine handwerkliche Sorgfalt. Das bedächtige
Schichten der gedeckten Farben gibt seinen neuen „Horizonten“
und „Nahtstellen“ Tiefe und Weite des Raumes –
und Zartheit.
Weshalb hat nun – und für wie lange? – die Klarheit
schaffende Horizontale über Irrgartenähnliches, Vexierhaftes
und Oberflächenchiffren, wenn derlei Vergegenständlichungen
denn gestattet wären, „gesiegt“? Ein Weitererzählen
der im 18. Jahrhundert in Literatur und Bildender Kunst sich auf
der Suche nach dem „Erhabenen“ entfaltenden „Poesie
der Berge“? Ein Innehalten des Künstlers auf seinem Lebensweg?
Ein neues subtiles Spiel mit dem zu sachter Augenlust aufgelegten
Betrachter, dem kleine Entdeckungen genügen, seiner Sinnlichkeit
gewiss zu sein? Oder eher eine existentielle Verführung zu
einer erneuerten Wahrnehmung der im Realen gegründeten Phantasielandschaft,
die der Intuition des Malers entspringt und der Einbildungskraft
des Betrachters bedarf?
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Weil Himmel
und Erde, Ferne und Nähe, Geologisch-Tektonisches und Vegetabiles
in diesen menschenwerkfreien Panoramen nicht gänzlich trennscharf
gestaltet sind, nötigen sie den Betrachter zu einer zumindest
atmosphärischen Standortbestimmung. Und gewiss ist auch, dass
Bühlers „sanftes Gesetz“ uns im Alltag doch eher
rastlose Betrachter vielsträngiger Bilderfluten zum unaufgeregten,
ruhigen Anschauen seiner farbzarten Kunstwerke ermuntert.
Wer Aufbrüche und farbliche / seelische Kontraste braucht,
den lehren Bühlers Bilder ein ums andere Mal, den Blick schweifen
zu lassen, den feinen Zeichen zu folgen und die sichtbaren Spuren
des malerischen Arbeitsprozesses mit einer Reflexion des eigenen
Erkenntnisprozesses zu honorieren. Wenn dabei das Gefühl fürs
Erhabene auf das der eigenen Bescheidenheit trifft, sollten wir
der Virtuosität des Künstlers unsern Tribut zollen.
Dr. Jürgen Sandweg
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